Eine der außergewöhnlichsten Ausgrabungen Griechenlands ist die der antiken Stadt Kassope in Eprius, eine ehemalige Stadt, ungefähr 30 km nördlich der modernen Stadt Preveza gelegen. Das besondere an Kassope ist es, dass die Stadt auf einer Anhöhe lag, vor der sich im Süden die Ebene mit der einstigen römischen Stadt von Nikopolis ausbreitete, flankiert vom Ionischen Meer und dem Ambrakischen Golf. Dadurch war sie über Jahrhunderte hinweg gegen Angriffe geschützt. Als jedoch die Römer Griechenland während des 3. Makedonischen Kriegs den Norden des heutigen Griechenlands eroberten, wurde Kassope eingenommen.

Blick über die Markthalle und Agora auf den ambrakischen Golf

 

Ungefähr um 400 vor Chr. als Polis gegründet, hatte Kassope eine wechselvolle Geschichte. Entstanden aus einem Zusammenschluss mehrerer kleinerer Kolonien, gehörte Kassope anfänglich zum epirotischen Bund und wurde nach der Schlacht von Pydna 168 vor Chr. von den Römern zerstört, wie so viele andere griechische Städte. Diese Schlacht änderte nicht nur das Kräfteverhältnis in Griechenland, es war auch das erste Mal, dass sich die griechische beziehungsweise makedonische Phalanx und die römischen Legionen gegenüberstanden und die bis dahin unbesiegbare Phalanx besiegt wurde. Nach der Zerstörung von Kassope wurde die Stadt allerdings wieder aufgebaut.

 

Lageplan von Kassope

 

 

einst gepflasteter Weg zum Amphitheater, Kassope

 

Amphitheater, Kassope

 

Wer heute im antiken Kassope im Bereich der Agora steht und nach Süden in die ambrakische Ebene blickt, der kann sich ungefähr vorstellen, was die einstigen Bewohner von Kassope am 2. September 31 vor Chr. sahen, als die Seeschlacht bei Actium tobte. Damals besiegte Octavian, der spätere Kaiser Augustus, die Flotte der ägyptischen Pharaonin Kleopatra VII. und Marcus Antonius und es läutete nicht nur das Ende der ptolemäischen Pharaonen in Ägypten ein, sondern es war auch das Ende der hellenistischen Ära in Griechenland. Ab diesem Zeitpunkt beherrschten die Römer Griechenland und Kaiser Augustus ließ auch an der Stelle des Sieges die Stadt Nikopolis erbauen.

 

Markthalle mit Wohnungen, Kassope

 

Säulengang der Markthalle, Kassope

 

Für die Bewohner von Kassope begann nun eine neue Zeit, denn sie wurden gezwungen Kassope aufzugeben und den Römern zu helfen die Stadt Nikopolis zu errichten. Kassope begann von nun an zu verfallen, eine Stadt, in der einmal bis zu 10000 Menschen lebten.

 

ehemalige Markthalle, Kassope

 

Blick über das kleine Theater auf den ambrakischen Golf

 

Als wir Kassope im Oktober 2024 besuchten, war die gesamte Anlage frei zugänglich. Das Kassenhäuschen war verschlossen und es waren nur ganz wenige Personen, die Kassope einen Besuch abstatteten. Die einzigen Dauergäste waren Ziegenherden begleitet von Hüterhunden, die aber im Gegensatz zu den Hüterhunden in den Bergen nicht aggressiv reagierten, dürfte die von hauptsächlich Bären ausgehende Gefahr für die Herden in dieser Gegend von Epirus gering sein.

 

Literatur:

FLEISCHHACKER, Johann: Kassope, Universtät Wien, Alte Geschichte und Altertumskunde, Alumnus

KUNZFELD & KUNZFELD, 2023: ONLINE: https://www.kunzfeld.co.at/2024/04/08/romische-aquadukte/

 

 

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