Gelegen an einem strategisch wichtigen Punkt, um die Verbindung zwischen dem ambrakischen Golf und dem nördlich davon gelegenen Epirus zu kontrollieren, wurde die kleine Stadt Orraon auf einem Hügel nahe dem heutigen Dorf Gymnotopos im Zeitraum zwischen 385 und 370 vor Christus erbaut. Es war der Volksstamm der Molosser unter König Alketas I. (circa 410 – 370 v. Chr.), der die Stadt nach dem Hippodamischen Schema erbauen ließ. Dieses Schema zeichnet sich durch rechtwinkelig zueinanderstehende Straßen aus, jedoch ist heute von den einstigen Straßen und Häusern nur mehr sehr wenig übrig. Das wenige ist jedoch interessant, stehen hier noch Mauern mehrstöckiger Häuser. Sie wurden aus einem massiven Kalkstein aus der Umgebung gefertigt.

Lageskizze der antiken Stadt Orraon, Epirus, Griechenland

 

Als die Römer Epirus besetzten, setzte sich Orraon anfänglich zwar zur Wehr, doch wurde die Stadt 176 v. Chr. eingenommen und zerstört, und dies, obwohl die Stadt durch ihre Höhenlage und durch die sie umgebenden Felsabgründe und einer mit Türmen besetzten Befestigungsmauer schwer einzunehmen gewesen war.

 

Zisterne von Orraon

 

Orraron wurde zwar wieder aufgebaut, wurde aber 31 v. Chr. auf von Befehl Kaiser Augustus verlassen, war Epirus und das gesamte heutige Griechenland von nun an Teil des römischen Imperiums. Die Anwohner wurden im neu entstandenen Nicopolis angesiedelt, gleich wie die Bewohner von Kassope, das ebenfalls verlassen wurde.

Wer heute Orraon im Spätsommer besucht, der muss damit rechnen, dass viele Bereiche der einstigen Stadt Opfer der spätsommerlichen Brände geworden sind. So auch bei unserem Besuch.

 

Sehr gut erhaltenes Wohngebäude an der Südseite der einstigen Stadt

 

Bei den Ausgrabungen in Orraon konnten viele interessante Objekte geborgen werden. Sie sind allesamt im archäologischen Museum von Arta ausgestellt.

 

Ausgegrabene Objekte von Orraon (archäologisches Museum von Arta)

 

Hauchdünner Goldschmuck als Grabbeigabe (4. bis 2. Jahrhundert v. Chr.)

 

Säulen des Atriums des Gebäudes „A“ der Ausgrabungen von Orraon

 

 

Geografische Koordinaten der Ausgrabung: N39.272247° E20.925221°

 

Literatur:

KUNZFELD & KUNZFELD, 2024: Online: https://www.kunzfeld.co.at/2024/11/10/kassope/

KUNZFELD & KUNZFELD, 2024: Online: https://www.kunzfeld.co.at/2024/04/08/romische-aquadukte/

SCHWANDNER, Ernst-Ludwig, DAKARIS, Sotiris u. a.: Orraon. Eine geplante Kleinstadt in Epirus. In: Wolfram Hoepfner (Hrsg.): Geschichte des Wohnens. Bd. 1: 5000 v. Chr.–500 n. Chr. Vorgeschichte, Frühgeschichte, Antike. Stuttgart 1999, S. 384–411

 

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