Als ich einmal aus rein persönlichem Interesse auf der historischen Karte von 1787 die Gegend nördlich von Graz Meter für Meter absuchte, entdeckte ich plötzlich in der Nähe der Burgruine Alt-Pfannberg bei Frohnleiten und dem darüber befindlichen Rinnweberkogel den Schriftzug „neu angelegte Silbergruben“. Ich war überrascht, denn so etwas hatte ich nicht erwartet, dachte ich doch, alle ehemaligen Bergwerke auf Blei und Silber in unserer Region zu kennen.
Johann Nepomuk Heipl
Sofort begann ich der Sache näher nachzugehen und da bekannt ist, dass unter Kaiser Joseph II. im Zeitraum zwischen 1760 und 1787 das Land neu vermessen wurde1, mussten diese bergbaulichen Tätigkeiten irgendwann zwischen 1760 und 1787 begonnen haben. Und da darüber hinaus der große mittelsteirische Gewerke Johann Nepomuk Heipl aus Deutschfeistritz genau zu dieser Zeit sein Bergbau-Imperium in genau dieser Gegend erweiterte, lag es sofort sehr nahe, dass Johann Nepomuk Heipl auch der Gewerke sein musste. So kaufte Heipl 1772 den Bergbau am Rechberg und in Großstübing, 1779 den Bergbau im Arzwaldgraben und in Rabenstein und 1784 den Bergbau auf der Taschen bei Peggau, womit er alle Bergbaue in diesem Umfeld besaß. In diesem Zusammenhang stieß ich auf eine Arbeit von Erik Flügel2 über den großen Gewerken Heipl, in der es heißt, dass Heipl auf Grund sinkender Produktionszahlen seiner mittelsteirischen Bleibergwerke 1783 verschiedene Freischürfe beantragte und versuchte in der Umgebung von Pfannberg ein neues Bergbaurevier zu erschließen. Auch Helmut Flügel3 erwähnt, dass in der Umgebung von Frohnleiten Stollen aufgefahren worden sein sollen, die jedoch heute nicht mehr aufgefunden werden konnten. Und auch der Historiker Othmar Pickel4 schreibt in seinem Buch über die Geschichte Frohnleitens über ein Revier am Pfannberg, das auch als altes Frohnleitner Revier bezeichnet worden sein sollte. Lediglich Weber erwähnt in seiner mehr als umfangreichen Arbeit über die Blei-und Zinkerzlagerstätten des Grazer Paläozoikums diesen Bergbau nicht.

Kartenausschnitt der 1787 durchgeführten Josephinischen Landesvermessung mit den eingezeichneten neu angelegten Silbergruben.
Die Arbeit im Gelände
Als nächstes stellte sich jetzt die Frage, was heute nach ungefähr 250 Jahren von diesen einstigen „neu angelegten Silbergruben“ im Gelände noch zu erkennen ist. Um derartige Fragen zu beantworten, ist der Digitale Atlas der Steiermark5 extrem hilfreich, kann man dort die historische Karte der Josephinischen Landesaufnahme „digital“ entweder über ein heute aufgenommenes Luftbild legen, oder noch besser, über eine mit Laser-Technik aufgenommene ALS-Karte6. Diese Karte gibt nämlich die genauen Geländestrukturen wieder und ist neben Satellitenaufnahmen eine der gängigsten Methoden7 in der modernen Archäologie, um wie in unserem Fall, Bergbaustrukturen sichtbar zu machen. Und genau diese Methode führte auch zum Erfolg, konnte ich ziemlich genau an der Stelle, an der auf der historischen Karte der Schriftzug „neuangelegte Silbergruben“ stand, 2 Stollenmundlöcher mit jeweils deutlichen Halden lokalisieren.
Nun galt es diese 2 einstigen Stollen im Gelände aufzusuchen, wobei bereits vorab im „Digitalen Atlas der Steiermark“ die geografischen Koordinaten abgefragt werden konnten. Einmal die Koordinaten in ein Navigationssystem eingegeben, ist es dann eigentlich ein Leichtes auch im Gelände fündig zu werden, nachdem man sich oftmals entlang verwachsener Wege und durch dichtes Gestrüpp kämpfen muss, um den Koordinatenpunkt zu erreichen. Und ich wurde fündig, wobei das Besondere war, dass der höher gelegene der beiden Stollen noch tatsächlich fahrbar war und eine große Halde besaß. Der untere der beiden Stollen war bereits verbrochen und seine Halde war durch den Bau der asphaltierte Pfannbergstraße abgeschnitten. Etwas westlich davon ließ sich eine weitere kleine Halde erahnen.
Beide Stollen wurden in nordöstlicher Richtung angeschlagen und im noch fahrbaren oberen Stollen betritt man kurz hinter dem Stollenmundloch eine 10 mal 6 Meter Zeche8, in der die Bergleute versucht hatten einer fast einem halben Meter mächtigen Vererzung im Bereich des südlichen Ulmes9 zu folgen. Die Vererzung selbst besteht im Bereich der Zeche aus Eisenerzen und an einigen Stellen kann man noch heute händische Schrämspuren im Erzband erkennen. Ob man in diesem Bergbau jemals auf Bleierze gestoßen ist, lässt sich leider nicht mehr sagen, denn heute blockiert nach circa 10 Metern ein massiver Verbruch der Firste den Zugang in die hinteren Teile des Grubengebäudes. Und ein Übersteigen dieses massiven Verbruchs ist aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Diese Zone dürfte bereits im 18. Jahrhundert kritisch gewesen sein, hatte man in diesem Bereich eine Zimmerung verbaut. Davon zeugt heute die spärlichen Reste eines alten hölzernen Stempels.
Als aller erstes galt es nun, die noch offenen und ohne Risiko fahrbaren Grubenräume fotografisch festzuhalten. Und da jegliche Grubenkarten über diesen kleinen Abbau über die Jahrhunderte hinweg verloren gegangen waren, war es weiters wichtig, die noch fahrbaren Teile, wie auch die Halden zu vermessen.
Zur Vermessung alter Grubenanlagen greifen wir seit zwei Jahren auf ein DISTO S910 Laser-Messinstrument von Leica zurück. Dieses Messinstrument ist „outdoor approved“, resistent gegen jegliche Art von Verschmutzung, kann bis zu 300 Meter weit messen und besitzt einen Kamera-Zielsucher mit 4-fach Zoom. Dieser Zielsucher ist vor allem im freien Gelände bei Tageslicht bei der Vermessung von Bergwerkshalden notwendig, denn auf eine Entfernung von beispielsweise nur wenigen Zehnermetern, kann man bei Sonnenschein den kleinen roten Punkt, den der Laser zeichnet, nicht mehr erkennen. Mit dem Zielsucher ist dies jedoch sehr gut möglich. Und über den eingebauten Neigungssensor des Messinstrumentes lassen sich Halden mit ihren steilen Flanken und auch Gesenke in Bergwerksstollen sehr einfach ausmessen, sowie Daten für ein eventuelles späteres 3D-Modell leicht generieren.
Erstellen einer Grubenkarte
Nachdem wir die noch zugänglichen Grubenräume und die alten Halden vermessen hatten, ging es nun als nächstes darum aus den gewonnenen Messdaten einen Plan des noch fahrbaren Grubengebäudes und der Halden zu entwickeln. Für solche Aufgaben gehen wir üblicherweise in 3 Schritten vor. So muss zu aller erst die gemessenen Himmels-Richtungen um die Deklination10 korrigiert11 werden, so diese Messungen mit einem Handkompass durchgeführt wurden, so wie hier bei den Bergbauen am Pfannberg. Im zweiten Schritt haben wird dann mit Hilfe der von und für Höhlenforscher entwickelten Software „CaveRenderPro“ den ersten groben Plan entwickelt. Da diese Software jedoch keine Symbolik für den Bergbau enthält wird der finale Plan mit Hilfe von Adobe Illustrator vollendet.
Fazit
Zusammenfassend kann man festhalten, dass die beiden Stollen nicht besonders tief in den Berg vorgetrieben worden sind, zu klein sind die Haldenkörper, vergleicht man diese mit den Halden des Bergbaues Rabenstein auf der anderen Talseite des Murtals. Auch dürfte der Bergbau nie über das Stadium eines Schurfbaues hinausgekommen sein, was darin begründet sein dürfte, dass die Vererzung, der die Bergleute nachgingen, keinen Bleiglanz zeigte. Es war aber der Bleiglanz, der am Ende des 18. Jahrhunderts das Silber lieferte, das an die Münze in Graz geliefert wurde.
Darüber hinaus muss festgehalten werden, dass dieser Schurfbau im Interaktiven Rohstoffinformationssystem der Geologischen Bundesanstalt nicht verzeichnet ist. Aus diesem Grund existiert keine Bergbau- und Haldenkatasternummer bei GeoShere Austria.
Literatur und Quellen:
1 Josephinische Landesaufnahme
2 Flügel, Eric: Johann Nepomuk Heipl aus der Beilage Neue Chronik zur Geschichte und Volkskunde der innerösterreichischen Alpenländer, Tagespost, 1955, IN: Das Übelbachtal, Begleitheft zur Sonderausstellung im Museum Sensenwerk Deuschfeistritz, 2000, Seite 53
3 FLÜGEL, Helmut: Geschichte, Ausdehnung und Produktion der Blei-Zinkabbaue des Grazer Paläozoikums, 4. Besitzverhältnisse, Zusammenfassung u. Schluss. In: Berg- u. Hüttenmännische Monatshefte. Wien: 1953, Seiten 212–218
4 PICKL, Othmar: 700 Jahre Marktgemeinde Frohnleiten, Frohnleiten Eigenverlag d. Marktgemeinde. Graz: 1956, Seite 324 f.
5 ONLINE, 2025: https://gis.stmk.gv.at/wgportal/atlasmobile/map/Basiskarten/Basiskarte
6 Airborne Lasar Scanning Karte
7 Siehe dazu auch: https://www.kunzfeld.co.at/2023/01/07/vergessene-bergwerke-auffinden/
8 Bereich in dem Erz oder Kohle abgebaut wird
9 Seitenwand des Stollens
9 Missweisung zwischen geografischem und magnetischem Nordpol
9 ONLINE, 2025: https://geoweb.zamg.ac.at/igrf_rechner/deklinationsrechner.html
Diese Arbeit ist als PDF-Datei verfügbar: 14 Seiten, querformatig, erschienen 2025, 1865 kByte, bestellbar über eMail
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