In regelmäßigen Abständen werden wir vom ältesten American Football Verein Österreichs, den Graz Giants, beauftragt, Portraits aller Spieler der unterschiedlichen Football-Units, der Cheers, der Coaches, der Mitarbeiter aus dem Office, dem „medical staff“ und dem Vorstand zu fotografieren. Und um alle Personen an einem Ort zur Verfügung zu haben und das Shooting nicht auf viele Tage über einen längeren Zeitraum aufzuteilen, bot sich dieses Jahr das Trainingscamp an, das alljährlich vor dem Saisonbeginn abgehalten wird. So fotografierten wir aufgeteilt auf 2 Tage in Summe 266 Brustportraits und einige Posen.

Da das Frühjahrscamp im ASKÖ-Stadion in Graz Eggenberg abgehalten wurde und sich dort auch das Büro der Graz Giants befindet, lag es nahe, dass wir einen Raum des Büros zu einem Fotostudio auf Zeit umfunktionierten. Damit konnten wir sicherstellen, dass die Leute jeweils kurzfristig fotografiert werden konnten. Von der Marketingabteilung der Graz Giants erhielten wir für das Shooting die Vorgabe, dass Brustportraits zu erstellen sind und die Personen vor einem weißen Hintergrund zu platzieren sind. Die zu fotografierenden Sportler und Mitarbeiter wurden darüber hinaus angewiesen, was sie anzuziehen haben. Einige Personen wurden mehrfach fotografiert, da sie einmal Spieler waren, daneben aber auch als Coaches unterschiedlicher Nachwuchs-Units. Weiters wurden wir gebeten, von definierten Spielern, aber auch Cheers, Ganzkörperportraits mit teilweise Spielposen zu fotografieren, um sie später für Roll-ups verwenden zu können. Um die fotografierten Portraits später den Personen zuweisen zu können, erhielten wir Listen mit den Personen der unterschiedlichen Units, die das Marketing aus der Vereinsdatenbank erstellte. Soweit die Vorgaben.

 

Der zum Fotostudio umfunktionierte Besprechungsraum

 

Einstellen der Leistungsabgabe an einem der Blitzköpfe unserer Studioblitzanlage

 

Der Besprechungsraum war relativ schnell zum Fotostudio umfunktioniert und unsere Studioblitzanlage aufgestellt. Ein Blitzkopf mit einer Oktobox befand sich etwas seitlich vor der Person und beleuchtete die Person von leicht rechts oben. Links hinter der Person stand ein zweiter Blitzkopf mit einer Softbox mit der Aufgabe die weiße Wand, die als Hintergrund diente, so auszuleuchten, damit sie später am Foto auch weiß erschien und nicht in einem undefinierbaren grau. Darüber hinaus markierten wir am Boden die Position, wo sich die zu Fotografierenden zu platzieren hatten. Nachdem die Blitze von ihrer Leistungsabgabe eingestellt waren und wir an uns selbst einige Probefotos schossen, waren wir bereit für die Arbeit. Anzumerken ist, dass sich der Blitzkopf mit der Oktobox auf einem höhenverstellbaren Lampenstativ befand, damit wir je nach Größe der Person die Höhe anpassen konnten. Wir hatten nämlich kleine Kinder mit einem Alter um die 9 Jahre herum, aber auch die mächtigen fast 2 Meter großen Spieler der Kampfmannschaft. Marina führte die Listen, was eine teilweise schweißtreibende Arbeit war, durften dort keine Fehler passieren, denn sonst hätte es massive Probleme bei der Zuordnung der Personen zu den Bildern gegeben. Ich durfte fotografieren und spürte am Abend das Gewicht der Kamera mit ihren 2 Kilogramm nach mehreren Stunden Dauerfotografieren.

 

Markieren der Position, an der sich die Personen hinstellen mussten

 

Dokumentieren und Führen der Listen erfordert Disziplin und Organisation.

 

Beispiel einer Fotoliste: ganz links die Reihenfolge, wie die Spieler zum Shooting kamen, ganz rechts die Endziffern der Datei in der Kamera, links daneben die Nummer des oder der ausgewählten Fotos

 

Eigentlich sollte alles eine durchorganisierte Arbeit sein. Von jeder Person wurden immer mehrere Aufnahmen gemacht, um die beste Aufnahme später auswählen zu können. Dazu wurden die Endnummern der Bilddateien für jede einzelne Person dokumentiert und für jeder der einzelnen Units existierte ein eigenes Blatt. Der Ablauf war so geplant, dass die Units, angeführt von ihren Coaches, gemeinsam zum Shooting erscheinen sollten. Leider kamen aber nicht immer alle Personen, so wie ursprünglich geplant. Einige mussten gleich weg und baten darum vorgezogen zu werden, andere kamen einfach verspätet, einige wiederum waren nicht in den Listen enthalten, da sie neu im Verein sind und die Datenbank noch nicht upgedatet war, einige kamen gar nicht, weil sie verhindert waren. Dies alles erforderte ein laufendes Blättern in den Listen, springen von einem Blatt auf ein ganz anderes Blatt und das alles musste erfolgen ohne dabei die Kontinuität zu verlieren. Auch kannten wir natürlich viele der Nachwuchsspieler nicht, was immer mit Suchen in den Listen verbunden war und nach stundenlangem Schreiben und Suchen tritt dann auch eine gewisse Blindheit beim Suchen ein. Am einfachsten war die Arbeit mit den Spielern der Kampfmannschaft, da wir diese fast alle persönlich gut kennen. Bemerkenswert war dabei eines unserer Ausnahmetalente, der bereits ein wichtiger Spieler der Kampfmannschaft ist. Für seine Pose sprang er gigantisch hoch aus dem Stand. Wir haben schon oft seine Sprungkraft in den Spielen bewundert.

 

„Freisteller-Foto“ von Running Back Dean Opara. Er springt fast 1,5 Meter aus dem Stand. Auf diese Weise überspringt er oftmals die gegenerische Defense.

 

Der letzte Arbeitsschritt erfolgt dann im eigenen Büro, denn jetzt mussten die Portraits gesichtet werden und je 1 Portrait und 1 oder 2 Posen gemäß Vorgabe von ausgewählten Personen ausgewählt werden. Hier zeigte sich jetzt, wie gut die Listen während des Fotografierens geführt wurden. Aber auch jetzt war ein Blättern und Suchen natürlich notwendig. Dies war vor allem dann der Fall, wenn Personen dazwischen fotografiert wurden. Dort wo wir die Personen namentlich kannten, war es einfach, aber bei rund 80% der Personen waren es zeitlich sehr intensive Mühen, wobei wir für das Auswählen fast gleich viel Zeit aufwenden mussten, wie für das Fotografieren selbst. Dann ging es aber recht zügig und es waren nur mehr sehr wenige Arbeitsschritte bis zu den finalen Bildern.

 

Portrait des Offensive Liners Elias Ortauf, eine der Stützen der Mannschaft

 

Christoph Promitzer leitet und koordiniert alle Nachwuchs-Units der Graz Giants

 

Fazit ist, dass Portrait-Shootings für Vereine, Schulen oder andere große Menschengruppen sehr große Disziplin und Gewissenhaftigkeit in der eigenen Arbeit voraussetzt, wobei das „Dokumentieren“ und das „Führen der Listen“ fast noch wichtiger erscheint, als das Fotografieren selbst, obwohl es ohne dem Foto nicht geht.

Wir danken den Graz Giants für diesen wieder organisatorisch sehr interessanten, aber auch fordernden Auftrag und freuen uns schon, wenn wir am 29. März beim Auswärtsspiel in Prag wieder an der Sideline stehen dürfen – Go Giants!

 

Inhalt und Foto: copyright by kunzfeld & kunzfeld photography