Wenn wir einen Kundenauftrag fotografieren, dann dauert es ein klein wenig, bis der Kunde seine fertigen Bilder erhält. Personen, mit denen wir über diesem Zeitversatz sprechen, sind dann immer der Meinung, dass dies davonkommt, da wir die Bilder nachbearbeiten müssen. Bearbeiten wir tatsächlich Bilder nach? Ganz entschieden nein, wir bearbeiten keine Bilder nach. Aber was machen wir aber dann, denn wir machen ja etwas mit den Bildern am PC?

Um diese Frage zu verstehen und sie beantworten zu können, muss man zuerst den Sensor einer Kamera verstehen, denn dieser ist die technische Komponente, die für das „Ablichten“ zuständig ist. Er ist der Grund dafür, dass wir mit den Bildern etwas am PC machen.

 

fiktive Darstellung von Helligkeitswerten auf einem Bildsensor einer Kamera

 

Der Bildsensor einer Kamera besitzt viele Millionen kleiner Fotozellen, die jeweils die Farben rot, grün und blau herausfiltern. Eine einzelne Fotozelle immer nur für eine dieser 3 Farben zuständig. Löst man die Kamera aus, so messen diese farbspezifischen Fotozellen die jeweilige Helligkeit. Und anschließend wird diese Helligkeitsinformation für jede dieser Millionen Fotozellen und die Information, ob es sich um eine „rote“, „grüne“ oder „blaue“ Fotozelle gehandelt hat, in eine Datei geschrieben. Dies wird noch durch andere Informationen, wie beispielsweise den Belichtungseinstellungen, ergänzt. Diese auf diese Weise entstandenen Datei ist aber keine Bilddatei und kann auch nicht angezeigt werden. Würde man sie darstellen, dann gliche sie eher einem Schwarzweiß Bild, jedenfalls keiner Farbaufnahme, hatten die Fotozellen nur die Helligkeit ermittelt. Diese Datei ist die sogenannte „RAW“-Datei. Sie ist binär, kryptisch und jeweils spezifisch für den Hersteller der Kamera.

Jetzt beginnt nun unsere Arbeit am PC. Dabei bearbeiten wir nicht ein JPG-Datei nach, nein wir erzeugen erst überhaupt einmal eine JPG-Bilddatei, was ein wesentlicher und grundlegender Unterschied ist. Um aus diesem quasi „Schwarzweiß Bild“ der „RAW“-Datei ein Farbbild zu erzeugen, ist allerdings eine spezielle Software notwendig. Diese Software interpoliert aus den Helligkeitswerten mehrerer benachbarter Fotozellen und den Informationen, für welche Farbe die Fotozellen zuständig waren die eigentliche Farbe des späteren Bildpunktes. Diese Rechenvorgänge sind komplex und es ist sicher verständlich, dass diese Berechnung eine riesige Menge als Parameter erfordert. Typische Softwarelösungen sind hier von Adobe die Programme Lightroom oder Photoshop, um nur einige wenige zu nennen.

 

Beispiel einer Grundeinstellung in der Bildentwicklungssoftware von Lightroom. Neben diesen Einstellungen gibt es noch eine riesige Anzahl von Parametern

 

 

Diese Entwicklungsarbeit ist vergleichbar mit der früheren nasschemischen Entwicklung in einer Dunkelkammer. In dieser Phase lässt sich nämlich der sogenannte Weißabgleich verlustfrei anpassen. Auch lassen sich extreme helle Stellen und extreme dunkle Stellen im Bild immer noch verlustfrei abdunkeln oder aufhellen, da in diesen Bereichen es noch immer eine Zeichnung im gibt. Es können Masken aufgezogen werden, um später nur spezielle Bereiche des Bildes zu schärfen, es können einzelne Farben aufgehellt werden oder beispielsweise entsättigt werden und es kann noch vieles mehr gemacht werden, was die Qualität der späteren JPG-Datei erhöht.

 

Sensor Bild
fiktives Helligkeitsbild eines Kamera-Sensors, das dem fertig entwickeltem Bild gegenüber gestellt ist

 

Möchte man sich diese Arbeiten ersparen, dann kann die Kamera auch so eingestellt werden, dass die Software der Kamera diese Entwicklungsaufgabe selbstständig erfüllt. Damit gibt es jedoch keinerlei Einflussnahmen auf das spätere JPG-Bild durch den Fotografen. Kein Farbabgleich, keine Korrekturen von überbelichteten Bereichen, kein Schärfemanagement, keine Objektiv-Korrekturen und noch vieles mehr. Möchte man jetzt nachträglich am JPG-Bild etwas ändern, dann geht eben vieles nicht mehr und das was möglich ist, ist nur mit massiven Qualitätsverlusten möglich. Diese Arbeit wäre dann die sogenannte Bildnachbearbeitung, eine Arbeit die wir in unseren Kundenaufträgen definitiv ablehnen.

 

Inhalt und Foto: copyright by kunzfeld & kunzfeld photography